Dauerausstellung

Dauer-ausstellung

Neukonzeption 2021

2021 feierte die Katterbacher Schule ihren 150. Geburtstag. Aus diesem Anlass wurde die in die Jahre gekommene Dauerausstellung des Schulmuseums völlig neugestaltet. Seitdem steht die Geschichte der Schule Katterbach im Mittelpunkt. Der frühere Zeitabschnitt 1871 – 1968 wurde bis in das Jahr 2021 erweitert. Film-Interviews mit Zeitzeugen lassen die Schulgeschichte der Vergangenheit lebendig werden.

Günter Marquardt hatte 2000 die erste Dauerausstellung und in den folgenden Jahren die meisten Sonderausstellungen gestaltet. Auch diesmal schuf er unverwechselbare Räume.

Mitmach-Stationen sprechen Kinder, Jugendliche und Familien an. Das hatten wir schon 2017 unter dem Motto „Anfassen erlaubt!“ in einem Raum zum Schulalltag erfolgreich erprobt.

Lehrergarten - Lernen unter freiem Himmel

Raus aus der Schulstube, rein in die Natur

Der Lehrgarten – auch Schulgarten genannt – war über viele Jahrzehnte ein fester Bestandteil des schulischen Unterrichts und diente als Lernort außerhalb des Klassenzimmers. Bereits um 1900 befand sich an dieser Stelle in Katterbach ein Lehrgarten. Ursprünglich war er etwa zehnmal so groß und umschloss die damalige Volksschule, das heutige Schulmuseum.

Der Garten gehörte zur Lehrerwohnung und diente unter anderem der Selbstversorgung des Lehrers und seiner Familie. Deshalb standen Nutzpflanzen wie Obst, Gemüse und Kartoffeln im Mittelpunkt. Gleichzeitig nutzten die Lehrkräfte den Garten als grünes Klassenzimmer. Hier erhielten die Schülerinnen und Schüler anschaulichen Unterricht in Naturkunde und Biologie. Sie lernten den Anbau von Pflanzen, eigneten sich praktisches Wissen für den Alltag an und entwickelten durch das gemeinsame Gärtnern Verantwortungsbewusstsein und Disziplin.

Der Lehrgarten heute

Vom 7. bis 9. April 2026 gestalteten Kinder der Offenen Ganztagsschule (OGS) Katterbach im Alter von sechs bis zehn Jahren den verwilderten Garten nach historischem Vorbild um. Gartenbücher aus dem Museumsarchiv dienten als Grundlage für die Auswahl und Anordnung der Pflanzen.

Wie in historischen Lehrgärten wurden die Pflanzen in übersichtliche Beete gegliedert und mit Hilfe des Grafikers Uwe Stephan ein Gartenplan erstellt. Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten fiel die Wahl auf mehrjährige, pflegeleichte Stauden für Schatten und Halbschatten. Kartoffeln, die in historischen Lehrgärten häufig angebaut wurden, konnten wegen ihres größeren Platzbedarfs nicht berücksichtigt werden. Einzelne Obstgehölze erinnern jedoch exemplarisch an den ursprünglichen Lehrgarten. Bei der Auswahl der Pflanzen lag der Schwerpunkt auf historischen Sorten, die bereits um 1900 in den Beeten zu finden waren und nachweislich belegt sind.

Der Pflanzenkauf wurde durch den Bienenzuchtverein Bergisch Gladbach e. V. ermöglicht. Fachlich begleitet wurde das Projektteam – Dominik Olbrisch und Annette Voigt – von Michael Müller (Ernährungsrat Stadt Bergisch Gladbach) sowie Stefanie Krampe-Koppenhagen (Gärtnerei Findling, Wipperfürth).

Schulalltag

Anfassen erlaubt

Vielleicht war in diesem Raum das Kinderzimmer der Lehrerfamilie.

Man erfährt, wie Kinder früher zur Schule gingen – oft barfuß oder mit derben Nagelschuhen. An einer Entdeckerwand kann man „Schule früher“ und „Schule heute“ vergleichen.

Womit lernte man Schreiben? Welche Spiele gab es? Was aß man in der Pause? Wie sah ein Stundenplan aus? Am Touchscreen lädt „Leon“ zu einer Zeitreise in die Vergangenheit ein.

Besondere Hingucker in diesem Raum sind der alte Schulkasten aus Eichenholz aus dem Jahr 1824. sowie die alten Wasserfarbenzeichnungen aus den 1930er-Jahren.

Das Foto zeigt die Entdeckerwand im Schulmuseum Bergisch Gladbach mit verschiedenen Mitmachstationen zum Thema Schullalltag
Entdeckerwand
(© Daniel Alker, Bergisch Gladbach

Magdalene Trier-Raum

Der Raum – früher die Küche der Lehrerfamilie – erinnert an Magdalene Trier (1925 – 2011). Wir verdanken ihr eine Sammlung zum Thema Handarbeit, die innerhalb der deutschen Schulmuseen einmalig ist.

Seit 1872 war Handarbeit in den Volksschulen mit zwei Stunden wöchentlich Pflichtfach für Mädchen. Die Jungen hatten in dieser Zeit Turnen. Nach 1968 wurde das Fach Handarbeit zur „Textilgestaltung“ erweitert, an dem auch Jungen teilnahmen.

Das Foto zeigt den Magdalene-Trier-Raum im Schulmuseum. An der Wand sind verschiedene Ausstellungsgegenstände zum Thema Handarbeit, z.B. Nähmaschine, Strickwaren etc. zu sehen
Kochen, Stricken, Stopfen und Nähen – Arbeitsplatz für die Frau des Lehrers
© Thomas Merkenich, Kürten

Weimarer Republik

(1919 - 1933)

Der chronologische Rundgang wird im Obergeschoss mit einem Raum zur Reformpädagogik der 1920er Jahre weitergeführt.

Ein „Wunderkammer“-Lehrmittelschrank, Schulwandbilder-Serien der „Vier Jahreszeiten“ und eine Inszenierung „Vom Objekt zum Film – Beispiel Kohle“ zeigen, dass der Unterricht dieser Jahre vor allem anschaulich und lebensnah war und die Eigentätigkeit förderte.

Rauminszenierung: Günther Marquardt
© Thomas Merkenich, Kürten

NS-Zeit

(1933 - 1945)

Der anschließende Raum thematisiert die Schulgeschichte in Bergisch Gladbach während der NS-Zeit. Schwerpunkte sind „Rassenkunde“ als neuer Lernstoff, die Gründung der Schule „An der Buchmühle“ in der Stadtmitte und die Auswirkungen der NS-Ideologie auf Schulbücher und die Freizeit der Jugendlichen.

Blick in einen Raum des Schulmuseums, der sich mit dem Thema "Schule in der NS-Zeit" beschäftigt. An der Wand hängen alte Lernbilder zum Thema Rassenkunde
Raum Schule NS-Zeit
© Thomas Merkenich, Kürten

„Ich war nie in der HJ. Meine Mutter hat immer gebremst.“

Interview mit Zeitzeuge Gerd Broich, Sicherheitsingenieur, geb. 1934

Nachkriegsjahre

(1945 - 1949)

In diesem Raum blieb die bis zur Decke reichende Wandvitrine mit Lehrmitteln aus den Jahren 1900 bis 1960 erhalten. Vor allem in der Nachkriegszeit wurden sie aus Mangel an Geld und Material oft selbstgefertigt.

Bücher aus der NS-Zeit wurden bereinigt und weiterverwendet. Der Schulalltag in den letzten Kriegsjahren und der Wiederbeginn des Schullebens nach Kriegsende sind wichtige Themen.

Besonder sehenswert sind in diesem Raum die Finger-Rechenmaschine aus dem Jahr 1921 sowie das Geschichte-Steckbrett (Ende 1950er-Jahre).

Raum zum Thema "Schule in den Nachkriegsjahren" im Schulmuseum. An den Wänden stehen große Vitrinen mit alten Lehrmitteln aus den Jahren 1900 bis 1960
Raum Nachkriegsjahre
(© Thomas Merkenich, Kürten

„Wir hatten Angst, wir wussten ja nie, wo die Bomben fielen.“

Interview mit Zeitzeuge Matthias Breuer, Dreher, geb. 1936

Adenauerzeit

(1949 - 1967)

In den 1950er Jahren hielt man an einem konservativen, christlich geprägten Weltbild, der traditionellen Familienrolle und der Pflege der Heimatidee fest.

Langsam öffnete sich die Volksschule der Erziehung zur Demokratie und dem Europagedanken. Englisch wurde Pflichtfach. Eine wesentliche Neuerung im Unterricht brachte das Medium Schulfunk.

Sehr interessant sind in diesem Raum unter anderem die Geschichte des Schulstuhls, das alte Röhrenradio der Marke HEROTON und der Matrizendrucker ORMIG.

Aktuell nicht ausgestellt

Ausstellungsraum zur Schule während der Adenauerzeit. Zu sehen sind viele Wandbilder sowie ein altes Radio.
Abteilung Adenauerzeit
© Thomas Merkenich, Kürten

„Man sagte mir nach, ich sei streng, aber gerecht.“

Interview mit Zeitzeugin Evi Streicher, Lehrerin in Katterbach (1961 – 1998), geb. 1937

Schulreform

(1968 ff.)

Gleichzeitig mit der studentischen Protestbewegung von 1968 und der Idee der „antiautoritären Erziehung“ entstanden Haupt- und Gesamtschulen als neue Schulformen. Verkehrs-, Umwelt- und Sexualerziehung erweiterten die traditionellen Unterrichtsfächer.

Besonders sehenswert sind in diesem Raum der Patronenfüller Pelikano, die Scout-Schulranzen sowie „„Fara“ und „Fu“. 

Aktuell nicht ausgestellt

Foto von einem Protest gegen einen Wahlkampfauftritt von Franz Josef Strauß in Bergisch Gladbach im Jahr 1969. Mehrere Menschen halten Plakate hoch, Polizisten begleiten die Demonstration
„Tiervergleiche“, Demonstration gegen einen Wahlkampfauftritt von Franz Josef Strauß, Bergisch Gladbach, 1.9.1969
(© Stadtarchiv Bergisch Gladbach (StAGL L 1/2948. Foto: Albert Günther))

„Ausländische Kinder in der Klasse – das war völlig normal.“

Interview mit Zeitzeugin Silke Mertens, Gynäkologin, geb. 1979