Hinter den Kulissen

Im Depot

Historischer Unterricht, Führungen und Sonderausstellungen sind Angebote des Schulmuseums für das Publikum. Ein großer Teil der Museumsarbeit findet hinter den Kulissen statt.

Seit dem Aufbau unserer Sammlung zur Schulgeschichte durch Carl Cüppers Ende der 1960er Jahre ist sie ständig gewachsen. In der Dauerausstellung können wir nur 5 % davon zeigen. 95 % werden auf 500 qm Fläche in Depoträumen im Kellergeschoss der GGS aufbewahrt.

Handarbeitsunterricht

Unser ganzer Stolz ist die von Magdalene Trier (1925 – 2011) dem Schulmuseum überlassene Sammlung zum Handarbeitsunterricht mit inzwischen ca. 4.000 Objekten. Auch Dokumente zur Hauswirtschaft und Säuglingspflege gehören dazu. Durch Objekte von privaten Spenderinnen wächst die Sammlung ständig.

Die Betreuung der Textilbestände erfordert besondere konservatorische Pflege durch die verantwortlichen Mitarbeiterinnen. Objekte aus der Textilsammlung werden häufig für Ausstellungen zur Mädchenerziehung an andere Museen ausgeliehen.

Schulwandbilder

Ein weiterer wichtiger Bestand sind Schulwandbilder. Großformatige farbige Abbildungen konnten erstmals ab 1870 hergestellt werden. Darauf spezialisierte Verlage gaben sie für alle Unterrichtsfächer zum Aufhängen in den Klassenzimmern heraus, daher die Bezeichnung „Schulwandbilder“.

Über hundert Jahre entstanden ganze Serien. In den Klassenräumen waren sie – vor allem Märchenmotive oder Szenen aus Altem und Neuem Testament, Vier Jahreszeiten – oft der einzige Wandschmuck. Auch nach dem Einsatz von Dias, Filmen und Fernsehen blieben Schulwandbilder noch bis in die 1980er Jahre beliebt. Das Schulmuseum verfügt inzwischen über 8.000 Exemplare, darunter mehr als 4.000 verschiedene Motive. Wir sammeln weiter!

Grafiken

Ein dritter bedeutender Museumsbestand umfasst 450 Grafiken zur Schulgeschichte der Zeit von 1590 bis 1920. Alle grafischen Techniken – HoIzschnitt, Kupferstich, Radierung, Lithografie und Holzstich – sind mit repräsentativen Beispielen vertreten. Die Grafiksammlung wird durch Ankäufe im Kunsthandel ständig erweitert.

Die historischen Illustrationen schildern – nicht realistisch, sondern oft gemütvoll oder auch karikierend – den Schulalltag der Vergangenheit: Schulweg und erster Schultag, Lehrpersonen, Schulmobiliar, Strafmaßnahmen und besondere Ereignisse.

Bibliothek

Nach telefonischer Vereinbarung (0 22 02/98 13 56) steht die Bibliothek für Forschungsarbeiten und Recherchen zur Verfügung. 16.000 von geschätzten 20.000 historischen Schulbüchern und Werken zur Fach- und Sekundärliteratur der Geschichte der Volksschule sind bereits elektronisch erfasst.

Bücherregal mit alten, gut erhaltenen Büchern aus der ehemaligen Schulbibliothek der vereinigten Kreise Gimborn und Homburg aus der Zeit am 1822 im Depot des Schulmuseums Bergisch Gladbach
Schulbibliothek der Kreise Gimborn und Homburg, 1822

Für die Schulgeschichte besonders wertvoll sind 293 erhaltene Werke aus der ehemaligen Schulbibliothek der vereinigten Kreise Gimborn und Homburg, die ab 1822 von den „beyden Schulpflegern Pfarrer Forstmann zu Gummersbach und Pfarrer Nohl zu Marienhagen“ angelegt wurde.

Ein seltenes Exemplar sind auch Johann Bernhard Basedows 1774 in zwei Bänden erschienene „Elementarwerke für die Jugend und ihre Freunde“ mit 96 Kupferstichtafeln – größtenteils aus der Hand von Daniel Chodowiecki.

Der größte Sammlungsbestand in unserem Depot sind Lehr- und Lernmittel zu allen Unterrichtsfächern. Er konnte wegen Personalmangels bislang nur listenmäßig erfasst werden. Auch ca. 2.000 historische Schulfotos, schriftliche Dokumente zur Schulgeschichte sowie Schulhefte sind leider nicht inventarisiert.

Forschung im Schulmuseum

Auch für das Schulmuseum ist das Forschen eine selbstverständliche Aufgabe. Seit 1987 wird die Reihe der „Schul-Hefte“ herausgegeben. Immer wieder konnten wir auch Fachleute von außerhalb für die Mitarbeit gewinnen: „Mit Nadel, Faden, Fingerhut“ (1987): Heidi Lerche-Renn; „Fibel, Schrift und Schule“ (1989) Bernhard Weisgerber; „Szenen aus der Schule“ (2002): Horst Schiffler.

Ebenso bezogen wir die Fachsammlungen anderer Einrichtungen als Leihgaben ein: „Das wünsch ich mir, drum spare ich!“ (2009) hätten wir nicht ohne die Kreissparkasse Köln und den Deutschen Sparkassenverlag in Stuttgart realisieren können.

Für „Mein süßes Tinchen! Kriegsalltag Bergisch Gladbach 1914 – 1918“ (2014) war der im Stadtarchiv Bergisch Gladbach aufbewahrte Feldpostbriefwechsel des Schülers und Majorssohns Helmut Feiber eine erschütternde Quelle. Von Januar 1915 bis zu seinem Tod in Nordfrankreich Anfang Juni 1915 wurden 355 Postkarten und Briefe von ihm und seinen Eltern geschrieben. Im Museum erstellten wir eine komplette Fassung in heutiger Schrift.

Ein Feldpostbrief aus dem 1. Weltkrieg, den ein Helmut Feiber an seine Mutter in Bergisch Gladbach schrieb
Feldpostbrief Helmut Feibers an seine Mutter mit einer Skizze seiner Stellung an der Front, 2.2.1915 (Detail)
© Stadtarchiv Bergisch Gladbach (StAGL, N 2/10/64)

Transkription Brief Helmut Feiber an seine Mutter in Bergisch Gladbach 2. Februar 1915 (StAGL, N/2/10/64):

Hier habe ich so’n Monstrum von Skizze entworfen und hoffe, dass Du Dich danach auf der großen Karte orientieren kannst. Also in Radinghem wohne ich. 1 ist die Straße nach Lille 2 und 3 sind die Wege zu den beiden Bat. der 55er die immer in Stellung liegen. Ein Bat. hat immer 2 Tage Ruhe und muss dann immer 4 Tage in Stellung. Wenn es trocken ist so geht bei Regen ist es schauerlich. Abends gegen die Pioniere in Stellung und bleiben bis zum Morgen. Da müsstest Du einmal sehen in was für einem Aufzug die daherkommen. Der eine hat lange Stiefel und Sandsäcke über die Hosen gezogen und einen Frack über den Waffenrock. Ein anderer ist schon nobler. Karierte Hose engl. Mantel und engl. Schnürschuhe, echt englisch. Andere haben Spazierstöcke zum Tasten. Auch Holz …[?]sind mit Säcken an den Beinen befestigt. Also fast sollte man meinen es wäre ein Fastnachtszug. Aber man muss seine „Brocken“ rein halten. Der Dreck geht schlecht ab und etwa alle 3 – 4 Tage haben wir Appell in Grau. Da achtet man auf seine Sachen. Unser Dorf besteht aus einer…

Bei „1968: Schule – Reform – Protest“ (2018) hatten wir von der 1967 gehaltenen Rede der Frankfurter Abiturientin Karin Storch „Erziehung zum Ungehorsam als Aufgabe einer demokratischen Erziehung“ Kenntnis bekommen. Nach wochenlanger vergeblicher Recherche konnten wir endlich ein seltenes Druckexemplar auftreiben.

Für den Raum zur Bergisch Gladbacher Schulgeschichte in der NS-Zeit wurde die Korrespondenz des 1943 verstorbenen Katterbacher Schulleiters Anton Küffler mit dem Nationalsozialistischen Lehrerbund ausgewertet.

Bei seinen Kollegen Laurenz Lindlar und Dr. Anton Jux warfen die Akten von 1947/48 im Landesarchiv NRW über die Einstufung als „Mitläufer“ neues Licht auf ihre Rolle als NS-Lehrer.